Jeronimo Voss – SURPLUS

Ausstellung

21. November – 22. Dezember 2019
Kunstverein Bellevue-Saal, Wiesbaden
kunstverein-bellevue-saal.de

Jeronimo Voss ist der derzeitige Stipendiat des Kunstverein Bellevue-Saal. In der Ausstellung SURPLUS widmet er sich der Überschussproduktion im gegenwärtigen Bauboom des Rhein-Main-Gebiets. Ausgangsmaterialien für seine Installation findet Voss sowohl in gegenwärtigen Baustellenkonstruktionen und Architekturansichten seiner städtischen Umgebung wie auch in Filmfragmenten der Avantgarde-Künstlerin Ella Bergman-Michel, die in den frühen 1930er Jahren innerhalb der Gruppe Das Neue Frankfurt die Arbeitsgemeinschaft für unabhängigen Film gründete.
Derzeit erwartet Frankfurt am Main den Brexit-Boom und investiert darin, London als europäisches Finanzzentrum abzulösen. Überschüssiges («Surplus»)-Kapital – das immer weniger profitable Anlagemöglichkeiten in der Produktion findet – trifft hier, im Immobiliensektor der wetteifernden Zentren, auf einen steigenden Überschuss an prekären Arbeitskräften. Gemeinsam errichten dieses Surplus an Kapital und Arbeit ein dichtes Gefüge neuer Hotels, Büroflächen und hochpreisiger Wohntürme. Aktuell werden in Frankfurt am Main 33 neue Hochhäuser gebaut, maßgeblich von sogenannten Wanderarbeitern, die in einfachsten Sammelunterkünften außerhalb des Zentrums leben. Dabei wiederholen Architektur-Renderings auf Bauzaunplanen die immer gleichen Versprechen auf Erneuerung und verkleiden zugleich die hindurch schimmernde Realität prekärer Arbeitsverhältnisse, steigender Mieten und ungenutzter Leerstände.
Jeronimo Voss übersetzt dieses Material in eine narrative Installation, die sich mit dem Verhältnis von Zentrum und Peripherie, Aufwertung und Ressource, Vorder- und Hintergrund sowie Gegenwart, Zukunft und Geschichte auseinandersetzt. In der Ausstellung SURPLUS konstruiert Voss optische Silhouetten in Meshnetz-Vinyl. Bilder, Notizen und Satzstrukturen kommentieren computergenerierte Architekturmodelle, Fotografien und filmische Fragmente auf der Suche nach lebens- und alltagsfähigen Zusammenhängen in der städtischen Gegenwart.